26.04.2009 Achtung Betrüger!

..und er macht weiter..

Ich arbeite und handele schon sehr lange im Internet und hielt mich selbst für schlau genug um mich nicht betrügen zu lassen. Ein Irrtum wie sich herausstellte. Ein in Betrugsabsicht handelnder Mann, der wegen ähnlicher Vorkommnisse schon aus diversen Foren ausgeschlossen wurde (und sich unter Pseudonymen immer wieder anmeldet) hatte mich um € 650 erleichtert.

In der Fotografie-Szene ist es üblich, per Anzeige in Foren nach Zubehör zu suchen oder es anzubieten. Die Zahlungsmodalität ist einfach gestrickt: der Käufer überweist das Geld, woraufhin ihm der Verkäufer den gewünschten Kaufgegenstand übersendet - oder auch nicht. Meistens geht alles gut, ich selbst habe unzählige Male Kamera Ausrüstungsgegenstände ge- und verkauft und konnte den "Braten" bei nicht sauberen Geschäften bisher immer "riechen".

Dieses Mal nicht. Ein "brown-eyes" antwortete in der FC auf meine Suchanzeige nach einem EF 300 f4 L IS USM und bot mir das Objektiv für € 650,-- an, angeblich weil er selbst als Studiofotograf das Objektiv nicht brauchen würde. Es sei ein Geschenk seiner Grosseltern zu Weihnachten und liege nur herum, es hätte maximal 50 Auslösungen. Untermauert wurde seine Story durch den Augenschein. Im Aktbereich der FC hatte "blue-eyes" einige Fotoseiten eingestellt und diverse Kommentare erhalten. Die Mitgliedschaft war zwar noch nicht alt aber auch User mit denen ich fotografischen Kontakt hatte, waren darunter.

Das Angebot war allerdings sehr günstig. Normalerweise werden nur äusserlich mitgenommene Objektive dieses Typs für einen derartig günstigen Preis angeboten. Nach meinen Beobachtungen schwankten die raren Angebote auf dem Gebrauchtmarkt zwischen € 610 und ca. € 900 - eine hohe Einsparung im Vergleich zum Neupreisvon ca. € 1.300 wenn die Linsen unbeschädigt sind. Kurzum: ich habe mich gefreut und gehofft, dass auch diesmal alles gut geht.

Eine Überprüfung des Namens des Verkäufers über Google ergab keine Auffälligkeiten - wie ich heute weis liegt das daran, dass aus rechtlichen Gründen niemand den Namen des Mannes veröffentlicht. Ich hätte nach der Emailadresse suchen sollen aber darauf bin ich in dem Moment nicht gekommen. Ich hatte die Mailadresse, die reale Wohnanschrift, die Telefonnummer des "Verkäufers" sowie dessen Bankverbindung bei einer ordentlichen Geschäftsbank und mein Misstrauen hielt sich in Grenzen.

Der "Kauf" ereignete sich am Karfreitag. An Ostern sandte "blue-eyes" noch freundliche Ostergrüsse an mich und meine Familie als Anmerkung in meinem FC-Accont. Kurz darauf war der Account von blue-eyes verschwunden, die Fotos waren aber noch zu finden. Dies weckte dann doch mein Misstrauen und ich rief den "Verkäufer" an um mich nach dem Grund für die Accountschliessung zu erkundigen. "blue-eyes" sagte mir, er sei bedroht worden und habe sich deshalb zurück gezogen, jedoch gleich wieder einen neuen Account eingerichtet auf dem er zukünftig dann seine Fotos einstellen wolle. Wie ich heute weis, ist der Mann von der FC zum wiederholten Mal ausgesperrt worden weil seine Identität entdeckt worden ist. Verkäufe in Betrugsabsicht hatte blue-eyes unter anderen Namen in der FC schon wiederholt durchgezogen.

Ich liess mich jedoch beruhigen und überwies hoffnungsvoll am Dienstag nach Ostern die vereinbarten € 650,--, woraufhin ich von blue-eyes erstmal nichts mehr hörte. Am Mittwoch dem 15. April fragte ich um 13.10 Uhr nach ob das Geld eingetroffen sei, erhielt aber keine Antwort und rief daraufhin an. Mir wurde sehr freundlich mitgeteilt das Geld sei eingetroffen aber er, blue-eyes habe gerade zuviel Arbeit im Studio und könne daher das Paket erst am folgenden Tag absenden. Er versprach, mir dann die DHL-Nummer zur Sendungsverfolgung mitzuteilen. Am Freitag dem 17. April war das Paket immer noch nicht eingetroffen und die Paketnummer auch nicht, woraufhin ich nochmals per Email nachfragte ohne eine Antwort zu erhalten. Als das Paket am Wochenende und auch am Montag nicht eintraf war mir klar dass ich einem Betrüger aufgesessen bin und berichtete am Montag, dem 20.April nach einem ausführlichen Gespräch mit Verantwortlichen in der FC in deren Forum über den Vorfall.

Das Echo war unglaublich. Ich wurde von diversen Betroffenen kontaktiert die auf denselben Mann reingefallen waren. Ausserdem erhielt ich den Link zu einem Modelforum in dessen internen Bereich sich Modelle darüber austauschten, dass sie von blue-eyes um die vereinbarte Modelgage geprellt wurden, Gerichtsverfahren seien bereits anhängig gewesen. Forscht man über Google nach kommt heraus, dass der Mann diverse Anzeigen laufen hat mit denen er Objektive und Ausrüstungsgegenstände anbietet und - den Kommentaren zu entnehmen - Dutzende gutgläubige Käufer um ihr Geld betrogen hat.

Den Versprechungen von blue-eyes brauchte ich nach diesen Informationen nicht mehr zu glauben. Ich beschloss, an seine Familie heran zu treten und rief zunächst seinen Onkel an, dessen Anschrift darauf schliessen liess, dass blue-eyes im selben Haus wohnen würde. Der Onkel zeigte sich zunächst nicht gesprächsbereit sondern antwortete auf meine Frage, ob ich blue-eyes sprechen könne mit: "Damit habe ich nichts zu tun". Auf Nachfrage hin berichtete er, dass er in keinem Versandhandel mehr etwas bestellen könnte weil aufgrund der Namens- und Adressenübereinstimmung er stets als mit seinem Neffen identisch angesehen würde. Auf meine Frage hin warum blue-eyes noch nicht einsitzen würde sagte er mir, dass seine Eltern das bisher wohl immer geregelt hätten, wenn es "eng" für blue-eyes werden würde.

Das war ein guter Tipp und der Onkel gab mir auch gleich noch die Telefonnummer der Oma, die sofort ohne weiteres Nachfragen meine Kontoverbindung notierte und mir versprach, das geschuldete Geld zurück zu überweisen. Sie wusste schon dass ihr Enkel lügen würde, fragte ihn aber dennoch ob er das Paket abgeschickt hätte - was der bejahte - aber die Treckingnummer auch nicht vorweisen konnte. Ausserdem gab er gegenüber seiner Oma an, er würde das Geld wieder zurücksenden. Die Oma und ich vereinbarten bis Mittwoch zu warten ob Objektiv oder Geld eintreffen würden, obwohl schon klar war was dabei heraus kommen würde. Ich sollte dann am Mittwoch Abend ihre Tochter - die Mutter von blue-eyes - anrufen und alles weitere mit ihr besprechen.

Nach dem Telefonat mit der Oma rief ein aufgebrachter blue-eyes bei mir an und brüllte mich an was mir einfiele, seine Familie zu belästigen, er würde schliesslich selbstverständlich das Geld zurück überweisen - natürlich kam hier nichts an. Allerdings erhielt ich am Mittwoch morgen eine Email von ihm:

guten morgen ,
also ich werde ihnen am donnerstag mittag also morgen mittag das geld zurück überweisen lassen , es wird dann auch noch ein brief von GLS Versand zu ihnen kommen in dem sie bestätigen sollten das sie kein packet bekommen haben, damit auch ich dann das geld von deren versicherung zurück bekomme ...
mfg o.qu.

s
eine typische Salamitaktik, die ich aus diversen Beschreibungen vor mir Betroffener schon kannte. Also rief ich am Mittwoch Abend O.Qu's Mutter an die nochmals meine Kontoverbindung notierte und versprach das Geld am nächsten Tag sofort zu überweisen weil sie nicht wollte, dass ich ihren Sohn wegen Betruges bei der Polizei anzeige, was ich ihr für den kommenden Montag angekündigt hatte für den Fall, dass mein Geld bis dahin nicht zurück sei.

Nach dem Gespräch mit der Mutter wurde O.Qu. offenbar wieder von ihr zur Rechenschaft gezogen und rief mich abermals an um am Telefon einen Tobsuchtsanfall zu bekommen weil ich seine Eltern "belästigen" würde, ich legte den Hörer auf.

Am Donnerstag Morgen rief mich die sehr aufgeregte Oma von blue-eyes an um mir zu sagen, dass sie gerade bei der Kasse war um das Geld zu überweisen. Sie war besorgt ob sie in ihrer Aufregung alles richtig gemacht habe und bat mich, auf keinen Fall zur Polizei zu gehen ohne vorher mit ihr zu sprechen. Ich versprach ihr sie anzurufen, sobald das Geld bei mir eingetroffen wäre und tat das auch am nächsten Tag.

Noch ein Betroffener

Durch die FC hatte ich Kontakt zu einem weiteren Opfer O.Qu's, der wie ich € 650,-- an blue-eyes gesendet hatte und seitdem von dem "Verkäufer" nur hingehalten und beschwindelt wurde aber weder sein Geld, noch das gekaufte Objektiv erhielt. Der Betroffene hat sich ebenfalls an die Eltern gewendet und wartet nach wie vor auf das Geld, ich drücke ihm die Daumen. Inzwischen hat sich ein weiteres Opfer gemeldet, dass seit September 2008 auf die Rückzahlung seines Geldes wartet. Ich hoffe, dass Beide mit meinen Informationen wieder an ihr Geld kommen.

Glück gehabt

Ich hatte Glück, schnell genug die richtigen Schritte einzuleiten und weis von anderen, dass sie Monate auf ihr Geld gewartet haben und es zum Teil erst zum Verfahren kommen musste. Ich bin nicht zur Polizei gegangen weil es mir wichtiger war, mein Geld zurück zu erhalten. Jetzt, nach der Zahlung durch die Familie, könnte ich zwar Anzeige wegen versuchten Betruges erstatten, bin mir aber sicher dass das Verfahren eingestellt werden würde.

Der Mann der mich betrog macht das laufend und finanziert damit sein teures Hobby. Nach Angabe von Familienmitgliedern sei er zu faul um regelmässig zu arbeiten. Da seine Eltern immer wieder für ihn einspringen wenn es "eng" wird interessiert es ihn offenbar gar nicht, seine Identität zu verschleiern. Wer jedoch diese Möglichkeit nicht kennt hat einen langen Weg und viel Ärger vor sich, bis das Geld zurück kommt.

Noch ein Wort zu den Foren

Um andere User zu warnen habe ich in der FC, im Canikon und im DSLR-Forum, dem wohl grössten Handelsplatz für Hobbyfotografen, über den Vorfall informiert. In allen Foren wurde der Beitrag geschlossen - im DSLR-Forum nach dem ersten Posting.

Der Gedanke des Täterschutzes spielt dabei offensichtlich eine grosse Rolle. Der Wunsch, andere Hobbyfotografen zu warnen um zumindestens die Zahlungsabwicklung zur eigenen Sicherheit zu überdenken und auf sicherere Methoden auszuweichen prallt an einigen Szenemitgliedern völlig ab, ihr Bedauern gilt vor allem dem Täter. Einer der Gründe, weshalb Typen wie O.Qu. es so leicht haben, immer weiter zu machen..

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