25.01.2015 Vorbereitung zum Bussard-Ansitz

Fotografische Ansitzjagd auf Bussarde

Die fotografische Ansitzjagd auf Bussarde ist nur dann sicher erfolgreich, wenn die Greife ihre Haupt-Beutetiere - Mäuse - nicht mehr ohne weiteres finden. Nur dann ziehen sie Aas den lebenden Beutetieren vor, schlichtweg aus der Not heraus. Hier informiere ich Euch über meinen heutigen Ansitz und den notwendigen Vorbereitungen und Verhalten des Fotografen.

Wichtig: eine Schneedecke

Im Jahr 2014 hat es mehr Mäuse gegeben als in jedem anderen Jahr an das ich mich erinnere. Der Sommer war lang und warm und der Winter hat immer noch keine dauerhaften Frostperioden. Auf allen Weideflächen gibt es unzählige Mauselöcher, man sieht die Bewohner herum huschen und kann ihre Trippelpfade deutlich erkennen. Diejenigen meiner Hunde, die sich für Mäuse interessieren, kommen von den Freiläufen über die Wiesen und Weiden satt und vollgefressen nach Hause zurück und verschmähen ihr Abendessen.

Es ist das Jahr der Bussarde die bei reichlich verfügbarer Beute auch bisher sehr gut über den Winter gekommen sind. Eben so gut sollte es den Füchsen ergangen sein - aber das ist ein anderes Thema.

Sehr warme Kleidung

Jahreszeitlich bedingt ist es unbedingt notwendig, sehr warme, dicke Kleidung, dicke Wollstrümpfe, warme Winterstiefel, einen warmen Pullover, Schal(s), Mützen, Kapuzen, gefütterte Handschuhe anzuziehen weil die Kälte - auch wenn es nur wenig unter Null Grad ist - durch das stille Sitzen und Warten sonst unangenehm wird. Lieber noch etwas mehr anziehen als man zu benötigen glaubt.

Bleifreies Luder

Seit April 2014 dürfen Jäger in den Niedersächsischen Landesforsten nur noch bleifreie Munition benutzen, u.a. um der Bleivergiftung von Greifvögeln vorzubeugen. An mir ist diese Entscheidung vorbei gelaufen - bei meiner Einladung zur Foto-Jagd in 2010 wurde noch ausdrücklich gesagt, dass bleifreie Munition nicht zum Einsatz kommen darf.

Auch wenn die Fotografen - wie ich selbst - gute Kontakte zu Jägern haben und zum Ansitz auf Wildaufbrüche zurückgreifen können: bitte vorher sicher stellen, dass das Wild nicht mit Bleigeschossen erlegt wurde - das Blei zerlegt sich auch ohne Knochenschuss im Wildkörper nachweislich und wird von den Greifen aufgenommen, die daran verenden.

Genehmigung des Jagdausübungsberechtigten

Bevor ein jagdlicher Ansitz für die Foto-Jagd auf Bussarde und andere Wildtiere benutzt wird, benötigt der Fotograf unbedingt die Erlaubnis des Jagdausübungs-Berechtigten oder des Grundbesitzers. Dasselbe gilt, wenn der Fotograf eine eigene Ansitz-Einrichtung (Zelt) aufbauen möchte.

Der erste Schnee fiel gestern

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr bin ich am 24. Januar 2014, nach dem am Vortag der erste Schnee gefallen war, schon sehr erwartungsvoll losgezogen - und hatte sofort Erfolg.

In diesem Jahr war das nicht so - es gab nur wenig Schnee und heute, während des Ansitzes, begann es auch noch zu regnen. Das Miauen der Bussarde war die ganze Zeit über zu hören - es waren zwei Greife die unablässig die Wiese überflogen haben um nach Mäusen zu suchen. Der schon vorsichtshalber sehr sichtbar platzierte, leuchtend rote Aufbruch eines Wildtieres konnte sie nicht locken - sie waren offensichtlich noch gut "bedient".

Ich werde daher nochmals ansitzen wenn die Schneedecke höher liegt und das Wetter besser ist. Erst wenn die Bussarde sich nicht mehr mit Mäusen satt fressen können weil die unter dem Schnee laufen, wird mein winterlichtes Futterangebot interessant.

Irgend jemand hat immer Hunger

Leise und unsichtbar

Um das optimale Verhalten bei einem Fotoansitz einzuschätzen ist es wichtig zu wissen, wie die Tiere leben und welche Sinne sie besonders einsetzen - denn die gilt es zu beachten. Bussarde verfügen über die Möglichkeit, kleine Mäuse im Gras laufen zu sehen - und sie wispern zu hören. Wer erfolgreich fotografieren will muss daher unsichtbar und sehr leise sein.

Ich erinnere mich an Gäste die vor Jahren bei uns auf Bussarde angesessen haben. Trotz meiner Information tranken die beiden Kaffee (immer eine schlechte Idee auf Ansitzen), aßen mitgebrachte Brötchen, unterhielten sich vermeintlich leise, guckten immer wieder mit dem Fernglas herum und stiegen aus dem Ansitzwagen um sich zu erleichtern. Trotz an sich optimaler Bedingungen wagte es kein Bussard, sich auf die leichte Beute zu setzen.

Keine Einsicht von außen auf den Fotografen

Erfolg versprechend ist es, vorausgesetzt man bezieht eine vorhandene, geschlossene Ansitzeinrichtung was im Winter natürlich angenehm weil windstill ist, alle Fenster dunkel abzuhängen, auch das Fenster aus dem später fotografiert werden wird. Sofern ein Schießtisch vorhanden ist, wird der - bei großen Objektiven - abgebaut und ein Stativ aufgestellt. Nur das Objektiv schaut aus dem Vorhang und wird möglichst nicht bewegt, sondern auf den Aufbruch ausgerichtet. Was passiert sieht man dann im LiveView.

Da ich jetzt erstmal mit Olympus OMD E-M1 angesessen habe und dem winzig kleinen 75-300 II, habe ich den Schießtisch genutzt, ihn aufgepolstert um den Fensterrand zu erreichen und das recht kurze Objektiv aus dem Vorhang heraus schauen lassen. Drei geladene Batterien waren dabei und eine 65 GB Speicherkarte. Manchmal muss man auch bei guter Schneelage geduldig warten bis der erste Bussard anfliegt - wer mit einer Systemkamera unterwegs ist tut gut daran, ein paar geladene Ersatzbatterien einzustecken.

Mir ist heute nicht langweilig geworden - anhand der Bussard-Rufe, dem Krächzen eines Rabenvogels und Schwirrgeräuschen konnte ich gut verfolgen, dass einiges Interesse an dem Aufbruch bestand. Tatsächlich landeten zwei Eichelhäher, die unablässig in zwei Richtungen gesichert haben während einer fraß.

Mit einem sehr frechen Eichelhäher, der sogar den fressenden Bussard aus Futterneid an den Steuerfedern zog, hatte ich an einem der vorjährigen Ansitze schon viel Spaß und deshalb schon den Digitalzoom der Olympus OMD E-M1 auf F2 gelegt um ihn für die kleinen Vögel dazu schalten zu können. Der Aufbruch wird immer in der Entfernung abgelegt, die ich - durch die Kamera gesehen - als optimal einschätze um sowohl Details der Vögel als auch Flugszenen ins Bild nehmen zu können. Mit der Crop 2 Kamera habe ich mit einem 300mm Objektiv den Bildausschnitt einer Vollformatkamera mit 600 mm Objektiv und kann durch den Digitalzoom die Brennweite auf 1200 mm verdoppeln, das Foto wird von der Kamera auf 16 Megapixel interpoliert. Das reicht fotografisch nicht für ein 1A Foto aber auf jeden Fall für eine Dokumentation. Dass die Eichelhäher die Futterstelle anflogen ist ein sicheres Zeichen dafür, dass am Ansitz alles gestimmt hat - denn die schlauen Vögel würden sich sonst nicht am Luder sehen lassen haben.

Wenn der erste Bussard landet

Wer das Spiel noch nicht kennt, gerät möglicherweise sofort in Jagdfieber. Tief durchzuatmen und alles zu berücksichtigen was oben geschrieben steht ist dann die richtige Strategie. Der Bussard sieht und hört sehr gut und es ist deshalb wichtig dass er sich zunächst auf die Beute konzentriert. Es gilt, jede Hektik und Geräusche absolut zu vermeiden. Die Kamera ist ja schon entsprechend ausgerichtet, der Auslöseton natürlich abgeschaltet oder auf leise gestellt. Wenn der Bussard frisst - nicht vorher - mache ich das erste Foto. Vielleicht auch einen Film zu meiner Unterhaltung und Überbrückung der Wartezeit...

Sobald der Bussard "mantelt" d.h. seine Schwingen über dem Luder ausbreitet, geht es los - ein zweiter Bussard wird anfliegen und die Greife werden so vollständig mit der Verteidigung der Beute und ihren Auseinandersetzungen beschäftigt sein, dass ihre Aufmerksamkeit stark gebunden ist. Wenn der erste Bussard mantelt, geht es los. Ich habe nie erlebt dass es bei den Auseinandersetzungen zu Verletzungen gekommen wäre. In der Regel geht der Futterstreit so aus, dass der überlegene Greif sich zuerst satt frisst und der oder die anderen Vögel sich danach über das Luder hermachen.

Ich habe mir die Aufnahmen von den Vorjahren noch einmal angeschaut und die EXIF ausgelesen. Man hat im Winter ja nicht immer optimales Wetter aber man sollte nicht unter 1/800 stel Verschlusszeit gehen und darüber hinaus so weit wie es mit dem jeweiligen Kameratyp möglich ist um Fotos in der gewünschten Qualität zu bekommen. Da Flugaufnahmen bevorstehen, darf sich die Verschluss-Zeit gerne zwischen 1/1200 und 1/2000 bewegen. Wenn die Wintersonne strahlt rate ich dazu, eher die Verschluss-Zeit zu erhöhen als abzublenden (bei Olympus sowieso nicht nötig).

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